turmbau zu kingsbridge

5. September 2008

Jetzt schreibe ich gestern noch, dass ich so ideenlos bin im Moment und schon gibt’s wieder was, worüber es sich lohnt zu schreiben…
Denn gestern abend habe ich das jüngste Werk des Briten Ken Follett beendet: Die Tore der Welt. Nachdem es 18 Jahre lang gedauert hat seit dem Erfolgsroman “Die Säulen der Erde” nimmt Follett den Leser wieder mit auf eine Reise ins Mittelalter Englands, genauer gesagt in die (fiktive) Stadt Kingsbridge.

Ich kann mich noch erinnern, wie ich damals das Buch gelesen und es nahezu verschlungen habe. Es ist einfach gut geschrieben und nicht so eindimensional wie manch anderer historischer Roman. Man fühlt sich in einer lebendigen Welt und erlebt die Gesichte mit. Ich habe immer gehofft, dass Follett einen weiteren Roman schreibt, der im Mittelalter spielt und habe mich natürlich umso mehr gefreut, als Die Tore der Welt nun endlich erschienen ist.

Wer den Vorgänger nicht gelesen hat, kann dennoch unbesorgt zugreifen, denn einzig Schauplatz und entfernte Verwandtschaftsverhältnisse bringen die beiden Bücher zusammen. Also ist das Buch auch ohne Vorwissen wunderbar zu lesen.

Im Mittelpunkt der Geschichte stehen die Nachfahren der Helden von einst. Entlang ihrer Schicksale führt uns der Autor, der sich bei seinen Recherchen von gleich drei Historikern zuarbeiten ließ, ausgesprochen kundig durch die Welt des 14. Jahrhunderts: Durch Caris, die der Verbrennung als Hexe durch den Eintritt in ein Kloster entkommt, lernen wir Manches über die Pest und die mittelalterliche Medizin. Mit der Baukunst der Zeit macht uns der Architekt Merthin, Caris‘ Geliebter, vertraut. Auch den Gegensatz zwischen einem ebenso selbstsüchtigen wie hemmungslosen Adel auf der einen und der Masse der besitzlosen Leibeigenen auf der anderen Seite führt uns der Autor mit großer Souveränität in seiner gewohnt schnörkellos-direkten Sprache anhand persönlicher Schicksale vor Augen: ein Sog, dem man sich kaum entziehen kann… – literaturanzeiger.de

Besonders gut hat mir dabei gefallen, wie der Autor die Protagonisten in das Geschehen einführt und so gleich von Anfang an ein gewisses Bild beim Leser geschaffen wird und die Figuren einem auch schnell sehr vertraut werden.
Das Buch hat dadurch auch die Möglichkeit, mehrere Handlungsstränge parallel verlaufen zu lassen, zwischen denen die Geschichte hin und her springt und die alle gleichermaßen interessant sind. Man will fast immer wissen, wie es weiter geht und des Öfteren ist es mir während der Lektüre der 1300 Seiten so gegangen, dass ich nur noch das Kapitel zu Ende lesen wollte und mich dann plötzlich inmitten des nächsten wiedergefunden habe :)

So findet man sich in vielen kleinen Episoden quer durch die Schichten der Bewohner des Mittelalters wieder und bekommt auch Einiges an Atmosphäre mit, die die Welt um Kingsbridge sehr lebendig macht.
Insbesondere die Abschnitte, die sich um Caris drehen, sind mir ans Herz gewachsen. Das Leben zwischen Liebe, Kloster und Medizin stellte sich ständig neuen Herausforderungen und Widrigkeiten. Hier zeigt Follett sehr deutlich den Konflikt zwischen neuem Denken und den althergebrachten Theorien der Zeit auf.

Sollte man einen negativen Kritikpunkt suchen wollen, so ist dieser wohl im fehlenden roten Faden zu finden. Aber das Buch hat so viel Inhalt und Leben, dass die “Biographie” der Protagonisten genug Spannung liefert, dass ich gar keinen höheren Spannungsbogen brauche. Ständig passiert etwas und selbst wenn einmal nur wenig passiert, ist es großartig wie Follett einfach nur die Umgebung beschreibt.

Abschließend bleibt mir nur zu sagen: Wer historische Romane mag, der kann hier bedenkenlos zugreifen! :numberone:


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3 Kommentare für 'turmbau zu kingsbridge'

  1.  
    5. September 2008 | 14:25 Uhr
     
     

    ich hab das buch gehört … hörbuch

    und ich muss sagen *räusper* dass es überhaupt nix für mich ist … .. … .. … mit sicherheit ist es gut geschrieben … aber es ist lang … sehr lang … und … naja … n bischne intriege hier … n bischen intriege da … verfilmt wärs ne gute soap

    aaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaber … wems gefällt :D

     
  2.  
    alex
    5. September 2008 | 14:47 Uhr
     
     

    Ja, ist halt ein historischer Roman – das muss man schon mögen :)

    Dieser Kommentar von dir war übrigends Nummer 300! – Dafür gibt’s ein Bier beim nächsten Wiedersehen :dsadsad:

     
  3.  
    Becky
    5. September 2008 | 23:34 Uhr
     
     

    Ich fands auch richtig klasse. Sehr empfehlenswert. :numberone: